23.02.2026 - Fachartikel
Prozessmodellierung nach BPMN 2.0: einfach erklärt, Symbole, Beispiele & Anleitung
Geschäftsprozesse sind oft komplexer, als sie auf den ersten Blick wirken: mehrere Beteiligte, Abhängigkeiten, Entscheidungen und Ausnahmen. Ohne klare Struktur wird daraus schnell Chaos. Genau hier setzt BPMN 2.0 an. Erfahren Sie, wie Sie Prozesse mit BPMN verständlich visualisieren, welche Symbole Sie wirklich brauchen und wie Sie Schritt für Schritt eigene Diagramme erstellen. Konkrete Beispiele, typische Fehler und Best Practices aus der Praxis helfen Ihnen, damit Ihre Prozessmodelle nicht nur korrekt, sondern auch wirklich nützlich sind.
BPMN einfach erklärt in 30 Sekunden
BPMN (Business Process Model and Notation) ist eine standardisierte Methode, um Geschäftsprozesse visuell darzustellen. Statt komplexer Textbeschreibungen werden Abläufe als Diagramm mit klar definierten Symbolen modelliert. So können alle Beteiligten, von Fachabteilung bis IT, denselben Prozess verstehen.

Wozu BPMN?
BPMN macht Prozesse sichtbar und verständlich
Alle Beteiligten sprechen „dieselbe Sprache“
Prozesse lassen sich analysieren, verbessern und automatisieren
BPMN wird vor allem genutzt, um Abläufe transparent zu machen und systematisch zu verbessern:
Prozesse dokumentieren (z. B. Einkauf, Freigaben, Support)
Abläufe analysieren und optimieren
Verantwortlichkeiten klar darstellen
Grundlage für Automatisierung schaffen
Das ist wichtig, weil in vielen Unternehmen Prozesse zwar existieren, aber nicht klar beschrieben sind. Jeder arbeitet „irgendwie“, Wissen steckt in Köpfen oder E-Mails. BPMN bringt Struktur hinein: Prozesse werden sichtbar, vergleichbar und vor allem verbesserbar.

Inhalt
Was ist BPMN 2.0? Definition, Ziel und Einsatz
BPMN wurde von der Object Management Group (OMG) entwickelt, einer internationalen Organisation, die Standards für die IT definiert. Die erste Version erschien im Jahr 2004 und wurde seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. BPMN 2.0 ist die aktuelle Version des internationalen Standards zur Prozessmodellierung und wird weltweit von Unternehmen unterschiedlichster Größen eingesetzt.
Ziel der OMG ist es, mit BPMN eine herstellerunabhängige und einheitliche Notation bereitzustellen. Sie definiert ein standardisiertes Set an Symbolen und Regeln, mit denen sich Geschäftsprozesse eindeutig und nachvollziehbar darstellen lassen. Damit können Geschäftsprozesse nicht nur verständlich beschrieben, sondern auch technisch umgesetzt werden – ein entscheidender Vorteil für die Prozessautomatisierung.
Im Kern geht es darum, komplexe Abläufe so zu visualisieren, dass sie sowohl fachlich verständlich als auch technisch nutzbar sind.
BPMN als Standard im Business Process Management (BPM)
BPMN ist heute der zentrale Standard im Business Process Management. Der große Vorteil: Fachabteilung und IT arbeiten mit derselben Darstellung.
Ein Prozessdiagramm zeigt nicht nur, was passiert, sondern auch:
wer beteiligt ist
wann Entscheidungen getroffen werden
wie Informationen fließen
Damit wird BPMN zur Schnittstelle zwischen Organisation und IT. Prozesse lassen sich nicht nur beschreiben, sondern auch direkt in Software überführen oder automatisieren.
Wofür wird BPMN konkret eingesetzt?
In der Praxis taucht BPMN überall dort auf, wo Prozesse eine Rolle spielen. Typische Anwendungsfälle sind:
Genehmigungsprozesse (z. B. Urlaubsanträge, Rechnungen)
Einkaufs- und Beschaffungsprozesse
Onboarding- oder Offboarding-Abläufe
Support- und Ticketprozesse
Workflows in ERP- oder BPM-Systemen
Der eigentliche Mehrwert entsteht dabei nicht durch das Diagramm selbst, sondern durch die Klarheit, die es schafft. Prozesse werden vergleichbar, Schwachstellen sichtbar und Abläufe standardisierbar.
Wann ist BPMN sinnvoll und wann nicht?
BPMN spielt seine Stärken vor allem bei strukturierten, wiederkehrenden Prozessen aus. Immer dann, wenn mehrere Rollen beteiligt sind oder Entscheidungen getroffen werden müssen, sorgt die Methode für Übersicht.
Wann sich BPMN lohnt | Wann BPMN sich eher nicht lohnt |
|---|---|
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|
BPMN ist kein Selbstzweck. Ein Diagramm bringt nur dann etwas, wenn klar ist, warum man den Prozess modelliert und was man damit erreichen will.
BPMN vs. EPK vs. UML: Welche Modellierung ist die richtige?
Wer sich mit Prozessmodellierung beschäftigt, stößt früher oder später nicht nur auf BPMN, sondern auch auf EPK oder UML. Alle drei verfolgen ein ähnliches Ziel: Abläufe verständlich darstellen. Der Unterschied liegt darin, wie detailliert, technisch oder fachlich diese Darstellung erfolgt und für wen sie gedacht ist.
Die Akronyme im Überblick:
BPMN (Business Process Model and Notation): Eine standardisierte Notation zur Modellierung von Geschäftsprozessen, die sowohl von Fachbereichen als auch von der IT verstanden wird.
EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette): Eine eher fachlich geprägte Methode zur Darstellung von Prozessen, die stark aus der Betriebswirtschaft (insbesondere SAP-Umfeld) stammt.
UML (Unified Modeling Language): Eine universelle Modellierungssprache aus der Softwareentwicklung, die vor allem zur Beschreibung von Systemen, Softwarearchitekturen und Abläufen genutzt wird.
Während BPMN heute als Standard gilt, sind EPK und UML nach wie vor in bestimmten Kontexten relevant. Die Wahl der richtigen Methode hängt stark davon ab, was Sie erreichen wollen.
| Kriterium | BPMN | EPK | UML |
|---|---|---|---|
| Ziel | Geschäftsprozesse modellieren | Prozesse fachlich darstellen | Software & Systeme modellieren |
| Zielgruppe | Fachbereich + IT | vor allem Fachbereich | vor allem IT / Entwickler |
| Verständlichkeit | hoch | sehr hoch | eher technisch |
| Standardisierung | internationaler Standard (OMG) | weniger stark standardisiert | internationaler Standard |
| Automatisierung | möglich | kaum | indirekt |
| Einsatz | Prozesse, Workflows, Automation | Analyse, Dokumentation | Softwarearchitektur |
BPMN positioniert sich genau zwischen Fachlichkeit und Technik. Es ist verständlich genug für den Fachbereich und gleichzeitig präzise genug für die IT. Genau das macht den Standard heute so relevant.
Wann sollten Sie BPMN statt EPK nutzen?
EPK (Ereignisgesteuerte Prozessketten) war lange Zeit die dominierende Methode in der Prozessmodellierung, insbesondere im SAP-Umfeld. Heute stößt sie jedoch schnell an Grenzen, wenn Prozesse nicht nur dokumentiert, sondern auch umgesetzt oder automatisiert werden sollen.
BPMN ist in der Regel die bessere Wahl, wenn:
Prozesse nicht nur beschrieben, sondern auch ausgeführt oder automatisiert werden sollen
mehrere Systeme oder Abteilungen beteiligt sind
eine klare, standardisierte Notation benötigt wird
Fachbereich und IT gemeinsam an Prozessen arbeiten
EPK kann weiterhin sinnvoll sein, wenn es ausschließlich um eine grobe, fachliche Darstellung geht. Sobald Prozesse jedoch komplexer werden oder eine technische Umsetzung geplant ist, spielt BPMN seine Stärken aus.
BPMN Symbole einfach erklärt
BPMN lebt von seiner visuellen Sprache. Statt lange Beschreibungen zu lesen, erkennen Sie auf einen Blick, wie ein Prozess funktioniert. Das funktioniert allerdings nur dann gut, wenn die verwendeten Symbole klar und konsistent eingesetzt werden.
Offiziell umfasst BPMN über 100 verschiedene Elemente. In der Praxis benötigen Sie jedoch nur einen Bruchteil davon. Wer versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, riskiert schnell unübersichtliche und schwer verständliche Diagramme.
Der Schlüssel liegt darin, sich auf die wesentlichen Bausteine zu konzentrieren.
Die 4 Kategorien der BPMN-Elemente
Alle BPMN-Symbole lassen sich vier grundlegenden Kategorien zuordnen. Diese Struktur hilft dabei, auch komplexere Diagramme logisch zu erfassen.
Flow Objects bilden den Kern jedes Prozesses. Dazu gehören Ereignisse, Aktivitäten und Gateways, also alles, was tatsächlich im Ablauf passiert.
Connecting Objects verbinden diese Elemente miteinander. Sie zeigen, in welcher Reihenfolge Aufgaben ausgeführt werden oder wie Informationen fließen.
Swimlanes strukturieren den Prozess nach Verantwortlichkeiten. Sie machen sichtbar, welche Rolle oder Abteilung für welchen Schritt zuständig ist.
Artefakte ergänzen das Diagramm um zusätzliche Informationen, etwa Dokumente oder Kommentare. Sie beeinflussen den Ablauf nicht, verbessern aber das Verständnis.
Diese vier Kategorien reichen aus, um den Großteil aller Geschäftsprozesse sauber abzubilden.
Die wichtigsten BPMN-Symbole (Cheat Sheet)
Auch wenn BPMN sehr umfangreich ist, wiederholen sich in der Praxis immer dieselben Grundelemente. Wer diese sicher beherrscht, kann bereits den Großteil aller Prozesse modellieren.

Die wichtigsten BPMN-Symbole auf einen Blick
Start Event definiert den Beginn eines Prozesses
Task beschreibt eine konkrete Aufgabe
Gateway steuert Entscheidungen und Verzweigungen
End Event markiert das Ende eines Prozesses
Sequence Flow zeigt die Reihenfolge der Schritte
Message Flow beschreibt Kommunikation zwischen Beteiligten
Pool / Lane ordnet Aufgaben Rollen oder Abteilungen zu
Mit diesen wenigen Symbolen lassen sich bereits viele typische Geschäftsprozesse vollständig abbilden. Komplexere Elemente wie spezielle Ereignistypen oder Subprozesse kommen erst dann ins Spiel, wenn Prozesse detaillierter modelliert werden sollen.
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist, zu viele verschiedene Symbole zu verwenden. Das führt schnell dazu, dass Diagramme zwar formal korrekt, aber schwer verständlich sind. Weniger ist hier oft mehr: Ein klar strukturiertes, reduziertes Modell bringt in der Regel den größten Nutzen.
BPMN Events (Start, Zwischenereignis, Endereignis)
Events gehören zu den zentralen Elementen in BPMN. Sie beschreiben, wann etwas passiert, also den Auslöser, Unterbrechungen oder das Ende eines Prozesses. Im Gegensatz zu Aktivitäten führen sie selbst keine Arbeit aus, sondern markieren Zustände oder Ereignisse im Ablauf.
Gerade bei komplexeren Prozessen sorgen Events dafür, dass Abläufe nachvollziehbar bleiben und auch Ausnahmen sauber modelliert werden können.
Start Events einfach erklärt

Jeder Prozess beginnt mit einem Start Event. Daher kommt es mindestens einmal in jedem Prozess vor. Das Startevent kann durch verschiedene Umstände ausgelöst werden, z.B. durch den Eingang einer Nachricht (Start-Message-Event: In diesem Fall ist der Kreis für das Startereignis durch ein Icon eines Briefumschlags ergänzt).
In einfachen Fällen ist das Start Event eher generisch („Prozess startet“). In der Praxis lohnt es sich jedoch, genauer zu werden. Denn der Auslöser bestimmt oft, wie der Prozess aufgebaut ist.
Typische Beispiele sind:
Eingang einer Anfrage oder Bestellung
Empfang einer E-Mail oder Nachricht
ein bestimmtes Datum oder eine Frist
Ein klar definiertes Start Event hilft dabei, Prozesse sauber abzugrenzen. Statt „irgendwann geht es los“ wird deutlich: Hier beginnt der Prozess und zwar aus diesem konkreten Grund.
Intermediate Events & Boundary Events

Zwischenereignisse (Intermediate Events) treten während eines Prozesses auf. Sie unterbrechen den Ablauf kurz oder lösen eine bestimmte Reaktion aus, ohne den Prozess komplett zu beenden.
Ein klassisches Beispiel ist ein Timer: Nach einer bestimmten Zeit wird eine Erinnerung verschickt oder ein alternativer Pfad eingeschlagen.

BPMN bietet für die Ausnahmebehandlung (Exception Handling) vor allem im fachlichen Kontext eine gut lesbare Darstellung mit den sogenannten angehefteten Zwischenereignissen (Boundary Events). Ein Exception Handling wird erforderlich, wenn Sie mit einer Situation Vorlieb nehmen müssen, die Sie nicht erwarten, die jedoch auch auftreten kann. Ausnahmebehandlungen zeigen an, wie mit einem Ereignis umgegangen werden muss, falls dieses während der Ausführung einer Aktivität auftritt. Die Boundary Events sind an eine Aktivität „angeheftet“.
Typische Anwendungsfälle:
eine Frist wird überschritten
eine Fehlermeldung tritt auf
eine Antwort bleibt aus
Boundary Events sind ein starkes Werkzeug, um Ausnahmefälle sichtbar zu machen und genau zu definieren, wie damit umgegangen wird.
End Events und Prozessabschluss

End Events markieren das Ende eines Prozesses. Sie zeigen, wann ein Ablauf abgeschlossen ist und oft auch, mit welchem Ergebnis.
Ein Prozess kann dabei mehrere mögliche Enden haben, zum Beispiel:
Genehmigung erfolgt
Antrag abgelehnt
Prozess abgebrochen
Gerade bei Entscheidungsprozessen ist es wichtig, diese unterschiedlichen Endzustände klar zu modellieren. So wird sofort ersichtlich, welche Ergebnisse ein Prozess liefern kann.
BPMN Aktivitäten (Tasks und Subprozesse)
Eine Activity (Aktivität) beschreibt eine Aufgabe, die in einem Geschäftsprozess zu erledigen ist. Während Events beschreiben, wann etwas passiert, zeigen Aktivitäten, was konkret getan wird. Sie bilden die eigentlichen Arbeitsschritte eines Prozesses ab. In BPMN unterscheidet man zwischen einfachen Tasks und komplexeren Subprozessen. Beide folgen demselben Prinzip: Eine Aktivität beschreibt immer eine klar definierte Aufgabe.Sie wird als Rechteck mit abgerundeten Ecken dargestellt.
Task-Typen (User, Service, Script)

Tasks sind die kleinsten Bausteine eines Prozesses. Sie stehen für konkrete Tätigkeiten, die entweder von Menschen oder Systemen ausgeführt werden. In der Praxis haben sich vor allem drei Typen etabliert:
Ein User Task ist eine Aufgabe, die ein Mitarbeiter manuell erledigt, etwa eine Prüfung oder Entscheidung.
Ein Service Task dient der automatisierten Ausführung eines Prozess-Schritts.
Ein Script Task (Skriptaufgabe) ist ebenfalls automatisiert, aber direkt durch Logik oder Skripte gesteuert. Wenn eine Prozessausführung bei der Skriptaufgabe eintrifft, wird das entsprechende Skript ausgeführt.
Die Unterscheidung ist mehr als nur formal. Sie hilft dabei zu erkennen, wo Prozesse noch manuell sind und wo sich Automatisierungspotenzial verbirgt.
Subprozesse: wann sinnvoll?

Sobald ein Prozess komplexer wird, stoßen einfache Tasks an ihre Grenzen. Hier kommen Subprozesse ins Spiel. Komplexere Activities werden als Subprocess oder Teilprozess bezeichnet. Ein Subprozess fasst mehrere zusammenhängende Schritte zu einer Einheit zusammen. Das sorgt für Übersicht und reduziert die Komplexität im Hauptdiagramm.
Subprozesse unterscheiden sich in der Notation durch ein +-Symbol. Subprocesses enthalten mehrere Aktivitäten und sind in kollabiertem oder expandiertem Zustand darstellbar.
Sinnvoll sind Subprozesse vor allem dann, wenn:
ein Ablauf mehrfach vorkommt
ein Teilprozess sehr detailliert ist
die Übersicht im Hauptprozess erhalten bleiben soll
Ein gut eingesetzter Subprozess macht Diagramme nicht nur kürzer, sondern auch deutlich verständlicher.
BPMN Gateways einfach erklärt (XOR, AND, OR)
Gateways sind die Entscheidungspunkte im Prozess. Sie bestimmen, welcher Weg als Nächstes eingeschlagen wird, oder ob mehrere Wege parallel verfolgt werden. Gerade hier passieren in der Praxis viele Fehler, weil die Unterschiede zwischen den Gateway-Typen nicht sauber verstanden werden.
XOR vs AND vs OR: Unterschiede
Die drei wichtigsten Gateway-Typen unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Pfade gleichzeitig aktiv sein können:
XOR (exklusiv): Es wird genau ein Weg gewählt, entweder A oder B
AND (parallel): Alle Wege werden gleichzeitig ausgeführt
OR (inklusiv): Einer oder mehrere Wege können gleichzeitig gewählt werden
Ein XOR-Gateway entspricht also einer klassischen Entscheidung, während ein AND-Gateway parallele Abläufe ermöglicht. Das OR-Gateway liegt dazwischen und ist entsprechend komplexer.
Die saubere Wahl des richtigen Gateways ist entscheidend für die Logik des gesamten Prozesses.

Exklusives/XOR Gateway
Exklusive Gateways werden verwendet, wenn genau eine Bedingung eintreffen darf („Entweder-oder-Entscheidung“). Von allen ausgehenden Flows wird genau einer gewählt.

Paralleles/AND Gateway
Bei parallelen Gateways werden alle ausgehenden Prozesspfade verfolgt („und“).

Inklusives/OR Gateway
Inklusive Gateways werden verwendet, wenn, je nach Situation, einem oder auch mehreren Prozesspfaden gefolgt werden kann („und/oder“).

Ereignisbasiertes Gateway
Bei ereignisbasierten Gateways wird der Flow verfolgt, dessen Ereignis zuerst eintritt (z.B. "5 Minuten vergangen" oder "Bestätigungs-E-Mail eingegangen").
Typische Fehler bei Gateways
In der Praxis werden Gateways häufig falsch eingesetzt.
- Ein klassischer Fehler ist, ein XOR zu verwenden, obwohl mehrere Bedingungen gleichzeitig zutreffen können, oder umgekehrt.
- Auch das Zusammenführen von Pfaden wird oft vernachlässigt. Wer Prozesse aufteilt, muss sie später auch wieder korrekt zusammenführen, sonst entstehen logische Brüche.
- Ein weiteres Problem: zu viele Entscheidungen auf einmal. Wenn Gateways überladen sind, wird das Diagramm schnell unverständlich.
Die einfache Regel lautet: so wenig wie möglich, so klar wie nötig.
BPMN Flüsse und Kommunikation (Sequence Flow, Message Flow)
Alle in einem BPMN Prozess verwendeten Flusselemente (flow objects) werden über sogenannte Sequenzflüsse, auch Flows / Flüsse oder Connecting Objects genannt, miteinander verbunden. Flows werden in Form von Pfeilen dargestellt.
Ein häufiger Fehler ist, beide zu vermischen. Die einfache Unterscheidung:
Sequence Flow = Ablauf innerhalb eines Prozesses
Message Flow = Kommunikation zwischen Beteiligten
Wer diese Trennung konsequent einhält, sorgt für deutlich mehr Klarheit im Diagramm.
Sequence Flow

Sequenzflüsse (Sequence Flows) verbinden Tasks, Gateways und Events eines Prozesses, visualisieren die Reihenfolge, in der die Tasks zu erledigen sind und verdeutlichen somit den zeitlich logischen Ablauf (Fluss) des Prozesses.
Message Flow

Der Nachrichtenfluss verbindet verschiedene Flow Objects oder Swimlanes. Nachrichtenflüsse symbolisieren den Informationsaustausch mit externen Prozessteilnehmern. Sie werden von Aktivitäten ausgelöst und können an Aktivitäten, Pools oder Nachrichtenereignissen andocken.
Pools und Lanes in BPMN verständlich erklärt
Pools und Lanes strukturieren Prozesse nach Verantwortlichkeiten. Sie beantworten die zentrale Frage: Wer macht was?
Die Schritte eines Prozesses werden innerhalb von horizontalen Begrenzungslinien, den sogenannten Swimlanes, dargestellt. Mehrere Swimlanes ergeben einen Pool. Ein Pool steht dabei für eine organisatorische Einheit, zum Beispiel ein Unternehmen oder ein System. Innerhalb des Pools wird der gesamte Prozess dargestellt. Lanes unterteilen diesen Pool weiter, etwa nach Rollen, Abteilungen oder konkreten Funktionen. Jede Lane zeigt, welche Aufgaben von welcher Rolle übernommen werden.
In der BPMN 2.0 werden Pools und Lanes häufig dazu genutzt, um die verschiedenen organisatorischen Einheiten abzubilden, die am Prozess beteiligt sind (Benutzer, Personengruppen, Rollen und Zuständigkeiten).
Das macht Prozesse nicht nur übersichtlicher, sondern auch transparenter. Verantwortlichkeiten werden klar sichtbar, Übergaben nachvollziehbar.
Wichtig ist dabei, Pools und Lanes nicht zu überladen. Zu viele Unterteilungen können schnell unübersichtlich werden. Ziel ist immer eine Darstellung, die auf einen Blick verständlich bleibt, auch für Personen, die den Prozess nicht täglich sehen.
Pool

Der Pool repräsentiert den gesamten Prozess und steht für organisatorische Einheiten mit klar definierten Grenzen, wie etwa Unternehmen. Der Pool ist einer oder mehreren Lanes übergeordnet und ordnet die enthaltenen Aufgaben den verantwortlichen Lanes zu. Flows dürfen die Grenze des Pools nicht überschreiten.
Lane

Eine Lane ist eine Unterteilung eines Pools, die sich über die komplette Länge des Pools erstreckt. Sie repräsentiert eine Prozessrolle oder Benutzerrolle in einem Workflow. Meist entspricht dies Abteilungen, Rollen oder Einzelpersonen. Innerhalb der Lane werden die Aufgaben des jeweiligen Prozessteilnehmers modelliert.
Artefakte
Artefakte werden benutzt, um die Übersicht oder das Verständnis eines Prozesses zu fördern. Für den Ablauf des Prozesses selbst haben sie allerdings keine Bedeutung.

Datenobjekt/Data Object
Viele Prozesse beinhalten Prozessschritte, bei denen die Verwendung oder Erstellung von Dokumenten sowie Daten vorgesehen ist. Das Datenobjekt kann mit verschiedenen Flow Objects verbunden werden, um einen Datenfluss darzustellen oder ein Dokument zuzuordnen.

Annotation/Kommentar
Sämtliche BPMN-Elemente können im Prozessmodellierungs-Tool mit einem Kommentar versehen werden, um ein besseres Verständnis des Modells zu erzielen. Der Kommentar wird unmittelbar im Prozess platziert.

Gruppe/Group
Die Gruppe ist ein visuelles Element, welches inhaltlich zusammenhängende Objekte zusammenfasst. Das dient allein dem besseren Verständnis des Modells und hat keinerlei Auswirkungen auf die Prozesslogik.
BPMN Diagramm erstellen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Ein BPMN-Diagramm ist schnell „irgendwie“ gezeichnet. Ein gutes BPMN-Diagramm ist dagegen so aufgebaut, dass es auch in drei Monaten noch von Kollegen, von der IT und von jedem, der den Prozess verbessern oder automatisieren will, verstanden wird. Die folgende BPMN-Anleitung führt Sie in fünf Schritten zu einem sauberen, praxistauglichen Modell.

Merksatz vorab
Modellieren Sie zuerst den „Happy Path“ (der Standardfall), danach erst Ausnahmen, Eskalationen und Sonderfälle.
BPMN-Modellierung in 5 Schritten: Vorgehensweise im Überblick
- Prozessname festlegen. Formulieren Sie klar, worum es geht (z. B. „Rechnung freigeben“ statt „Rechnungen“).
- Start- und Endkriterium klären. Wann beginnt der Prozess und wann gilt er als abgeschlossen?
- Ziel festlegen. Geht es um Dokumentation, Optimierung, Schulung oder Automatisierung?
- Scope abgrenzen. Was gehört dazu und was bewusst nicht?
- Detailgrad bestimmen. Entscheiden Sie, ob Sie eher grob (Management) oder detailliert (Umsetzung/IT) modellieren.
- Start Event wählen. Definieren Sie den konkreten Auslöser (z. B. „Antrag eingegangen“, „Bestellung ausgelöst“, „Timer erreicht“).
- End Events definieren. Legen Sie die möglichen Ergebnisse fest (z. B. „genehmigt“, „abgelehnt“, „abgebrochen“).
- Mehrere Enden zulassen. Wenn der Prozess unterschiedliche Ausgänge hat, modellieren Sie diese explizit. Das erhöht die Klarheit.
- Begriffe angleichen. Nutzen Sie bei Start und Ende konsistente Formulierungen (Ereignisse als Zustand/Ergebnis, nicht als Tätigkeit).
- Pools definieren. Welche Teilnehmer sind beteiligt (z. B. „Unternehmen“, „Lieferant“, „System“)?
- Lanes festlegen. Wer ist innerhalb des Pools verantwortlich (z. B. „Einkauf“, „Abteilungsleiter“, „Buchhaltung“)?
- Happy Path modellieren. Zeichnen Sie zuerst den Standardablauf ohne Ausnahmen.
- Tasks sauber benennen. Aktiv und präzise (Verb + Objekt), z. B. „Rechnung prüfen“, „Antrag genehmigen“.
- Task-Typen bewusst setzen. Markieren Sie, ob ein Schritt manuell (User Task) oder automatisiert (Service/Script Task) passiert.
- Entscheidungspunkte identifizieren. Wo entscheidet sich der Prozessweg (Preis, Budget, Freigabe, Frist, Ergebnis)?
- Passendes Gateway wählen. XOR für „genau eins“, AND für „parallel“, OR für „eins oder mehrere“.
- Bedingungen formulieren. Schreiben Sie an ausgehende Pfade kurze, eindeutige Bedingungen (z. B. „> 5.000 €“ / „≤ 5.000 €“).
- Ausnahmen modellieren. Ergänzen Sie Boundary Events für typische Sonderfälle (z. B. „Frist überschritten“, „Fehler“, „keine Antwort“).
- Pfadführung schließen. Wenn Sie verzweigen, sorgen Sie auch für sauberes Zusammenführen oder ein klares End Event je Pfad.
- Lesbarkeit testen. Kann jemand den Ablauf in 30 Sekunden grob erklären? Wenn nicht: vereinfachen.
- Symbol-Disziplin prüfen. Verwenden Sie nur die Symbole, die wirklich nötig sind.
- Verantwortlichkeiten checken. Jede Aufgabe sollte eindeutig einer Lane zugeordnet sein.
- Flüsse kontrollieren. Sequence Flow innerhalb eines Pools, Message Flow zwischen Pools nicht vermischen.
- Konsistenz sichern. Einheitliche Benennung, gleiche Modellierungsregeln, keine Mischformen.
- Review einholen. Lassen Sie den Prozess von Fachbereich und IT gegenlesen, erst dann gilt er als „fertig“.

Mini-Check
Ein gutes BPMN-Diagramm ist nicht das mit den meisten Symbolen, sondern das, das ohne Erklärung verstanden wird.
BPMN Best Practices: So modellieren Sie richtig
Ein BPMN-Diagramm ist schnell erstellt, aber nicht automatisch gut. In der Praxis entscheidet weniger die korrekte Anwendung einzelner Symbole über den Erfolg, sondern die Konsistenz und Verständlichkeit des gesamten Modells.
Gute BPMN-Diagramme erkennt man daran, dass sie ohne zusätzliche Erklärung funktionieren. Jeder, der den Prozess sieht, versteht auf Anhieb, was passiert, wer beteiligt ist und welche Entscheidungen getroffen werden.
Die folgenden Best Practices helfen Ihnen dabei, genau dieses Ziel zu erreichen.
Modellierungskonventionen im Unternehmen
Sobald mehrere Personen Prozesse modellieren, entsteht schnell ein Problem: Jeder macht es ein bisschen anders. Unterschiedliche Symbole, unterschiedliche Benennungen, unterschiedliche Detailgrade und schon sind die Diagramme schwer vergleichbar.
Genau hier setzen Modellierungskonventionen an. Sie definieren verbindliche Regeln, nach denen Prozesse im Unternehmen modelliert werden.
Typische Modellierungskonventionen
einheitliche Benennung von Tasks (Verb + Objekt, z. B. „Rechnung prüfen“)
klare Regeln für den Einsatz von Gateways
definierter Symbolumfang (z. B. nur ausgewählte Event-Typen)
konsistente Nutzung von Pools und Lanes
Wichtig ist dabei weniger die Perfektion der Regeln, sondern deren konsequente Anwendung. Ein einfaches, einheitliches System ist deutlich wertvoller als ein komplexes Regelwerk, das niemand einhält.
Wie viele Symbole sollten Sie wirklich nutzen?
Die BPMN-Spezifikation umfasst über 100 verschiedene Elemente. In der Praxis werden davon jedoch nur wenige regelmäßig benötigt.
Viele Diagramme scheitern daran, dass versucht wird, möglichst viele dieser Möglichkeiten auszuschöpfen. Das Ergebnis sind Modelle, die zwar formal korrekt, aber schwer verständlich sind.
Faustregel
Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten 10-15 Symbole. Damit lassen sich bereits die meisten Geschäftsprozesse vollständig abbilden.
Komplexität entsteht nicht durch zu wenige, sondern durch zu viele Elemente. Je reduzierter ein Diagramm ist, desto schneller wird es verstanden und desto eher wird es auch tatsächlich genutzt.
So bleiben BPMN-Diagramme verständlich
Ein gutes BPMN-Diagramm funktioniert wie eine klare Geschichte: Es hat einen Anfang, einen nachvollziehbaren Ablauf und ein eindeutiges Ende. Alles, was davon ablenkt, sollte vermieden werden.
Achten Sie darauf, dass Prozesse möglichst linear und logisch aufgebaut sind. Verzweigungen sollten klar begründet und nicht unnötig verschachtelt sein. Wenn ein Diagramm zu komplex wird, ist das oft ein Zeichen dafür, dass ein Subprozess sinnvoll wäre.
Auch die Benennung spielt eine große Rolle. Aufgaben sollten aktiv und konkret formuliert sein, damit sofort klar ist, was zu tun ist. Unklare oder abstrakte Bezeichnungen führen schnell zu Missverständnissen.
Praxis-Check für verständliche Diagramme
Kann jemand den Prozess ohne Erklärung nachvollziehen?
Sind alle Aufgaben eindeutig benannt?
Gibt es unnötige Verzweigungen oder Komplexität?
Ist auf einen Blick erkennbar, wer wofür verantwortlich ist?

“Ein BPMN-Diagramm ist kein Selbstzweck. Es soll nicht beeindrucken, sondern helfen. Je einfacher und klarer es aufgebaut ist, desto größer ist sein Nutzen im Alltag.”
Häufige Fehler bei BPMN und wie Sie sie vermeiden
BPMN wirkt auf den ersten Blick einfach: ein paar Symbole, ein paar Pfeile und fertig ist das Prozessdiagramm. In der Praxis schleichen sich jedoch schnell Fehler ein, die die Verständlichkeit massiv beeinträchtigen.
Das Problem: Viele dieser Fehler fallen erst auf, wenn das Diagramm genutzt wird, zum Beispiel in Workshops, bei der Umsetzung oder in der Automatisierung. Umso wichtiger ist es, typische Stolpersteine von Anfang an zu vermeiden.
Die 10 häufigsten Fehler: Typische BPMN-Fehler aus der Praxis
Es wird versucht, möglichst viele BPMN-Elemente zu nutzen. Das macht Diagramme unnötig komplex und schwer lesbar. Weniger ist oft mehr.
Statt „Rechnung prüfen“ steht dort „Prüfung“ oder „Bearbeitung“. Unpräzise Begriffe führen zu Interpretationsspielraum und Missverständnissen.
XOR, AND und OR werden verwechselt oder nicht sauber getrennt. Das führt zu logischen Fehlern im Prozessablauf.
Prozesse verzweigen, werden aber später nicht logisch wieder zusammengeführt. Dadurch entstehen Inkonsistenzen oder Sackgassen.
Kommunikation zwischen Pools (Message Flow) und interner Ablauf (Sequence Flow) werden nicht sauber getrennt.
Statt Rollen oder Verantwortlichkeiten werden Prozessschritte in Lanes abgebildet. Lanes dienen jedoch der Zuordnung von Zuständigkeiten.
Komplexe Abläufe werden nicht ausgelagert (z. B. in Subprozesse), sondern überladen das Hauptdiagramm unnötig.
Es ist nicht eindeutig erkennbar, wann ein Prozess abgeschlossen ist oder welche Endzustände existieren.
Sonderfälle wie Fristen, Fehler oder fehlende Rückmeldungen werden nicht modelliert. Dadurch entsteht ein unrealistisches Prozessbild.
Unterschiedliche Stile, Begriffe und Regeln innerhalb eines Diagramms oder zwischen mehreren Modellen erschweren Verständnis und Wartbarkeit.
Viele dieser Fehler haben denselben Ursprung: fehlende Klarheit und fehlende Standards. Wer strukturiert und bewusst modelliert, vermeidet einen Großteil davon automatisch.
Checkliste für saubere BPMN-Diagramme
Ein BPMN-Diagramm muss nicht perfekt sein, aber es sollte klar, konsistent und verständlich sein. Diese kurze Checkliste hilft Ihnen dabei, die Qualität Ihrer Modelle schnell zu überprüfen.
Checkliste: Ist Ihr BPMN-Diagramm sauber modelliert?

„Ein gutes BPMN-Diagramm ist nicht das formal perfekteste, sondern das, das im Alltag funktioniert.“
BPMN Beispiele: typische Prozesse einfach dargestellt
Theorie ist wichtig, aber wirklich greifbar wird BPMN erst in der Praxis. Anhand konkreter Beispiele sehen Sie, wie sich typische Geschäftsprozesse modellieren lassen und welche Muster sich dabei wiederholen.
Die folgenden BPMN-Beispiele zeigen klassische Anwendungsfälle aus dem Unternehmensalltag. Achten Sie dabei weniger auf jedes einzelne Symbol, sondern vor allem auf die Struktur: Start, Ablauf, Entscheidungen und klare Verantwortlichkeiten.
BPMN Prozessmodell Beispiel 1: Einkaufsprozess
Der Pool für den Einkaufsprozess umfasst drei Swimlanes, je eine für die die beteiligten Prozessrollen Abteilungsleiter, Einkäufer und Geschäftsführer. Je nach Preis sind Genehmigungen durch verschiedene Instanzen erforderlich. Ein Exclusive Gateway bestimmt, in welcher Swimlane der Prozess, abhängig vom Einkaufspreis weitergeführt wird. Der Prozess kann in drei verschiedenen End Events enden. Die User Tasks, die die Reaktion eines Nutzers erfordern, sind mit dem Personen-Icon gekennzeichnet. Die Service Tasks, markiert mit dem Zahnrad, finden automatisiert statt und lassen sich im Sinne der Übersichtlichkeit auch ausgegraut darstellen. Mit Kommentaren wie „Freigabe?“ haben Sie die Möglichkeit, Erläuterungen für die Endanwender einzufügen.
BPMN Prozessmodell Beispiel 2: Weiterbildungsantrag
Am Weiterbildungsantrag sind die Prozessrollen Antragssteller, Teamleiter des Beantragenden und Personalmanagement beteiligt. Dem Teamleiter obliegt es, den Antrag zu beurteilen. Lehnt er ihn ab oder stimmt binnen einer definierbaren Frist (Timer Boundary Event) nicht zu, erfolgt letztlich eine automatisierte Absage an den Antragssteller. Wird der Antrag durch den Teamleiter positiv beurteilt, sorgt ein Exclusive Gateway dafür, dass sich der Prozess in die Swimlane des Personalmanagements verlagert, welches die Weiterbildung organisieren muss.
BPMN Prozessmodell Beispiel 3: Dienstreiseantrag
Am Prozess Dienstreiseantrag sind drei Prozessrollen beteiligt: Antragssteller, Abteilungsleiter und Geschäftsführer. Nach dem Start Event, das der Antragssteller mit seinem Antrag initiiert, obliegt es zunächst dem Abteilungsleiter, den Antrag zu prüfen. Je nach Kosten für die Dienstreise ist eine weitere Prüfung durch den Geschäftsführer erforderlich. Wird der Dienstreiseantrag zuerst vom Abteilungsleiter und in der Folge vom Geschäftsführer genehmigt, ergeht eine automatisierte E-Mail-Benachrichtigung an den Antragssteller. Dieser erhält nun den finalen User Task zu entscheiden, ob er die Dienstreise antreten möchte oder ob er sie absagt.
BPMN Prozessmodell Beispiel 4: Antrag auf mobiles Arbeiten
Am Prozess zur Beantragung eines Homeoffice-Termins sind zwei Prozessrollen beteiligt: der Antragssteller (Mitarbeiter) und der Abteilungsleiter. Der Prozess startet, sobald der Mitarbeiter den Antrag einreicht. Ist das zuvor bestimmte Budget ausreichend, wird der Antrag automatisch genehmigt, ohne dass eine Prüfung durch den Abteilungsleiter erforderlich ist. Sollte das Budget jedoch nicht ausreichen, muss der Abteilungsleiter den Antrag prüfen und entscheiden. Bei einer Genehmigung erhält der Antragssteller eine automatisierte E-Mail-Benachrichtigung und der Prozess wird abgeschlossen.
BPMN Software: Tools zur Prozessmodellierung im Überblick
Ein BPMN-Diagramm auf Papier oder in PowerPoint zu zeichnen ist ein guter Einstieg. Spätestens wenn Prozesse regelmäßig genutzt, angepasst oder automatisiert werden sollen, führt jedoch kein Weg an spezialisierter BPMN-Software vorbei.
Der Markt ist dabei vielfältig: von einfachen Modellierungstools bis hin zu komplexen Prozessplattformen. Entscheidend ist weniger das Tool selbst als die Frage, was Sie mit Ihren Prozessen erreichen möchten.
Modellierung vs. Ausführung
Ein zentraler Punkt, der oft unterschätzt wird: Nicht jedes BPMN-Tool kann Prozesse auch ausführen.
Viele Tools sind reine Modellierungswerkzeuge. Sie eignen sich hervorragend, um Prozesse zu visualisieren, zu dokumentieren und gemeinsam zu erarbeiten. Was sie jedoch nicht leisten: die tatsächliche Ausführung der Prozesse im System.
Zwei grundlegende Tool-Kategorien
Modellierungstools: Fokus auf Visualisierung und Dokumentation (z. B. Diagramme erstellen, abstimmen, teilen)
Ausführungs- bzw. BPM-Systeme: Prozesse werden nicht nur modelliert, sondern auch gesteuert, überwacht und automatisiert
In der Praxis bedeutet das: Ein fachlich modellierter Prozess ist oft noch nicht direkt ausführbar. Für die Umsetzung müssen zusätzliche Informationen ergänzt werden, zum Beispiel Daten, Regeln oder Systemlogik.
BPMN schafft hier die Grundlage, weil Fachbereich und IT auf derselben Modellbasis arbeiten können. Die eigentliche „Intelligenz“ entsteht jedoch erst im Zusammenspiel mit einem passenden System.
Worauf Sie bei BPMN-Tools achten sollten
Die Auswahl eines geeigneten BPMN-Tools hängt stark von Ihrem Anwendungsfall ab. Dennoch gibt es einige Kriterien, die in nahezu jedem Szenario relevant sind.
Ein wichtiges Thema ist die Durchgängigkeit: Können Sie Prozesse nicht nur modellieren, sondern auch weiterverwenden, analysieren und optimieren? Oder bleiben sie isolierte Diagramme?
Auch die Integration spielt eine große Rolle. Prozesse existieren nicht im luftleeren Raum. Sie greifen auf Daten, Dokumente und Systeme zu. Ein Tool sollte sich daher möglichst nahtlos in Ihre bestehende IT-Landschaft einfügen.
Wichtige Auswahlkriterien für BPMN-Software
Unterstützung des BPMN-2.0-Standards (inkl. Export, z. B. XML)
Trennung oder Kombination von Modellierung und Ausführung
Integration in bestehende Systeme (ERP, CRM, Ticketsysteme)
Möglichkeiten zur Auswertung und Prozessanalyse
Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz im Fachbereich
Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor ist die Akzeptanz im Unternehmen. Das beste Tool bringt wenig, wenn es im Alltag nicht genutzt wird. Eine intuitive Bedienung und klare Strukturen sind daher mindestens genauso wichtig wie der Funktionsumfang.
BPMN mit BCS umsetzen
Wenn Prozesse nicht nur dokumentiert, sondern aktiv gesteuert und optimiert werden sollen, bietet sich eine integrierte Lösung an. Genau hier setzt BCS an, die Business Coordination Software von Projektron.
Mit BCS lassen sich BPMN-2.0-konforme Prozesse modellieren und direkt im System ausführen. Der Vorteil: Modell, Daten und Ausführung basieren auf einer gemeinsamen Grundlage. Medienbrüche oder zusätzliche Schnittstellen entfallen.
Die Modellierung erfolgt visuell per Drag-and-Drop. Prozesse können direkt mit konkreten Daten, Rollen und Aktionen verknüpft werden. Dadurch entstehen nicht nur Diagramme, sondern tatsächlich nutzbare Workflows.

Was BCS als integrierte BPMN-Lösung ermöglicht
Prozesse nicht nur darstellen, sondern aktiv steuern
alle relevanten Informationen direkt im Prozess verfügbar machen
Abläufe automatisch dokumentieren und auswerten
Optimierungspotenziale auf Basis realer Daten erkennen
Ein weiterer Vorteil liegt in der Transparenz: Jede Prozessinstanz lässt sich nachvollziehen, inklusive Bearbeitungszeiten, beteiligter Personen und getroffener Entscheidungen. Das schafft eine fundierte Grundlage für kontinuierliche Verbesserung.
Damit wird BPMN vom reinen Modellierungswerkzeug zu einem zentralen Bestandteil der operativen Steuerung im Unternehmen.
Fazit: Wann sich BPMN wirklich lohnt
BPMN ist mehr als nur eine Methode zur Visualisierung von Prozessen. Richtig eingesetzt, schafft es Transparenz, verbessert die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT und legt die Grundlage für effiziente, skalierbare Abläufe.
Besonders sinnvoll ist BPMN immer dann, wenn Prozesse eine gewisse Komplexität erreichen: mehrere Beteiligte, klare Entscheidungslogiken, wiederkehrende Abläufe oder der Wunsch nach Automatisierung. In solchen Fällen hilft BPMN dabei, Strukturen sichtbar zu machen, Schwachstellen zu erkennen und Prozesse gezielt zu verbessern.
Weniger geeignet ist BPMN dagegen für sehr einfache Abläufe oder rein statische Darstellungen. Hier wäre der Aufwand oft höher als der tatsächliche Nutzen.
Entscheidend ist am Ende nicht das Diagramm selbst, sondern das Ziel dahinter. BPMN entfaltet seinen Mehrwert vor allem dann, wenn Prozesse aktiv genutzt, hinterfragt und weiterentwickelt werden.

So starten Sie mit BPMN in 3 Schritten
- Einfach anfangen: Wählen Sie einen bestehenden, überschaubaren Prozess und modellieren Sie zunächst nur den Standardablauf.
- Komplexität schrittweise erhöhen: Ergänzen Sie nach und nach Entscheidungen, Ausnahmen und Details, aber nur so weit, wie es sinnvoll bleibt.
- Im Team abstimmen und nutzen: Stimmen Sie das Modell mit den beteiligten Rollen ab und nutzen Sie es aktiv zur Verbesserung Ihrer Prozesse.
Ein guter Einstieg ist oft wichtiger als ein perfektes Modell. Wer klein beginnt und konsequent weiterarbeitet, wird schnell feststellen, wie viel Klarheit und Effizienz BPMN in die eigenen Prozesse bringen kann.
Wenn Sie sich unsicher sind, wie und in welchem Maß Ihnen Prozessmodellierung nach BPMN weiterhelfen kann, kontaktieren Sie uns! Wir beraten Sie individuell für Ihre spezifischen Anforderungen.
Individuelle Beratung durch unsere BPMN-Experten bei Projektron
FAQ zu BPMN 2.0
BPMN wirft gerade am Anfang viele Fragen auf, vor allem, weil der Standard auf den ersten Blick umfangreicher wirkt, als er in der Praxis ist. Die folgenden Antworten helfen Ihnen, typische Unsicherheiten schnell zu klären.
Ist BPMN schwer zu lernen?
Ist BPMN schwer zu lernen?
Nein, der Einstieg ist vergleichsweise einfach. Die Grundprinzipien lassen sich schnell verstehen, besonders wenn Sie sich auf die wichtigsten Symbole konzentrieren. Für die meisten Anwendungsfälle reicht solides Basiswissen aus.
Welche BPMN-Symbole brauche ich wirklich?
Welche BPMN-Symbole brauche ich wirklich?
Meist genügen 10–15 Symbole: Start-/Endereignisse, Tasks, Gateways, Verbindungen und Rollen. Wer sich auf diese Bausteine beschränkt, erstellt deutlich verständlichere Diagramme.
Unterschied zwischen BPMN und Flowcharts?
Unterschied zwischen BPMN und Flowcharts?
Flowcharts sind allgemein gehalten. BPMN ist standardisiert, präziser und ermöglicht technische Weiterverarbeitung oder Automatisierung.
Kann man BPMN automatisieren?
Kann man BPMN automatisieren?
Ja. BPMN ist Grundlage für Automatisierung. Für ausführbare Prozesse müssen jedoch zusätzliche Daten, Regeln und Systemlogik ergänzt werden.
Für wen ist BPMN geeignet?
Für wen ist BPMN geeignet?
BPMN richtet sich an Fachbereiche und IT gleichermaßen. Es schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Prozessverantwortlichen und Entwicklern.
Wann sollte man BPMN nicht einsetzen?
Wann sollte man BPMN nicht einsetzen?
Bei sehr einfachen oder rein statischen Darstellungen ist BPMN oft überdimensioniert. Auch stark unstrukturierte Prozesse lassen sich schwer abbilden.
Wie detailliert sollte ein BPMN-Diagramm sein?
Wie detailliert sollte ein BPMN-Diagramm sein?
Der Detailgrad hängt vom Ziel ab. Für Analyse reicht ein grobes Modell. Für Optimierung oder Automatisierung ist eine detaillierte Darstellung notwendig.
Welche Tools eignen sich für BPMN?
Welche Tools eignen sich für BPMN?
Es gibt einfache Modellierungstools und umfassende BPM-Systeme. Entscheidend ist, ob Sie nur dokumentieren oder Prozesse auch ausführen möchten.

Über den Autor
Wie alle anderen Abteilungen der Projektron GmbH, nutzt auch das Marketing die Möglichkeiten zur Abbildung von Arbeitsprozessen mit BCS tagtäglich. Kai Sulkowski ist Redakteur in der Marketing-Abteilung und stets über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen aus der Welt des Projektmanagements und der Arbeitsorganisation informiert.
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